Sissachertagung

Die neue Armutsstrategie - wie weiter?

Was können wir daraus für uns mitnehmen/weitergeben?

Die diesjährige Sissachertagung des Verbands für Sozialhilfe Basel-Landschaft befasste sich mit den drei Teilgebieten «gesellschaftliche Teilhabe und Alltagsbewältigung», «soziale Sicherheit» sowie «Wohnversorgung». der neuen Armutsstrategie des Kantons Basel-Landschaft. Im Eingangsreferat machte Prof. Dr. Ueli Mäder, Soziologe, deutlich, dass Armut ein Mangel an sozialer Sicherheit sei und nicht nur ein Mangel an materieller Sicherheit. Diese liege zwar oft allen anderen Mangellagen zugrunde, sei aber ebenso oft auch die Ursache für Armut. Politik und Gesellschaft seien damit herausgefordert, die Ursachen von Armutsbetroffenheit zu finden und zu bekämpfen. Die neue Armutsstrategie des Kantons Basel-Landschaft habe diesbezüglich verschiedene Handlungsfelder aufgenommen, was einen umfassenderen Blick auf die Thematik und deren Bekämpfung ermögliche. Strukturelle Veränderungen in der Gesellschaft, wie z. B. in der Lohnpolitik, seien nach wie vor wichtig, allerdings bleibe die persönliche Beratung und Betreuung von armutsbetroffenen Menschen das Wichtigste. Dabei sei es eine Grandwanderung, wo die Beratung den Menschen diene und wo die Bevormundung anfange. Im zweiten Referat informierte uns Prof. Dr. Oliver Hümbelin, Sozialforscher und Dozent an der Berner Fachhochschule, über das Projekt eines Armutsmonitoring, welches die Berner Fachhochschule gemeinsam mit der Caritas Schweiz entwickelt hat und aktuell im Kanton Basel-Landschaft umgesetzt wird. Dabei gehe es darum, Grundlagen für fachlich fundierte Massnahmeplanung für die Verwaltung zu schaffen und das Bewusstsein zur Armutsthematik in der Öffentlichkeit zu schärfen. Aufgrund von verknüpften Steuerdaten habe festgestellt werden können, dass im Kanton Basel-Landschaft rund 9000 Personen arm seien und davon 35 – 40% keine Sozialhilfe beziehen würden, obwohl sie darauf Anspruch hätten. Im Anschluss berichtete Thomas Baumgartner, Gesamtleiter Heilsarmee Wohnen, über die Obdachlosenstudie, welche im Jahr 2019 im Kanton Basel-Stadt durchgeführt wurde. Aus den Empfehlungen der Studie wurde einerseits die Gesundheitsversorgung in Form einer Zahnsprechstunde im Tageshaus für Obdachlose verbessert, andererseits die «Housing First»-Strategie entwickelt und umgesetzt. Bei dieser Strategie gehe es darum, obdachlosen und wohnungslosen Personen bedingungslos eine Wohnung zur Verfügung zu stellen. Dabei sei das Ziel, dass diese Personen wieder ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Leben führen und damit ihre Selbsthilfe-Kräfte wieder erlangen respektive wieder mobilisieren können. Als Unterstützung gebe es ein dreistufiges Beratungs- und Unterstützungsangebot, je nach Bedarf. Von den teilnehmenden 25 Personen hätten bis jetzt 16 eine eigene Wohnung. Die Altersspanne der betroffenen Personen liege zwischen 22 und 78 Jahren. Domenico Sposato, Geschäftsleiter Caritas beider Basel erzählte den Anwesenden zum Thema Soziale Teilhabe das Beispiel einer siebenköpfigen Familie, bestehend aus den Eltern mit fünf Kindern. Die Familie lebe knapp über dem sozialhilferechtlichen Existenzminimum und habe ihren drei älteren Kindern ein Sommerlager ermöglichen wollen. Pro Kind habe die Teilnahmegebühr CHF 200.00 betragen. Diese CHF 600.00 für alle drei Kinder hätten die Eltern noch aufbringen können, aber als Grundbedingung für die Teilnahme seien auch die Mitnahme von Wanderschuhen, Schlafsack und Isoliermatte gewesen, was die Kinder nicht gehabt hätten. Pro Kind sei das nochmals ein finanzieller Aufwand von rund CHF 130.00 gewesen, sodass die Gesamtkosten auf ca. CHF 1'000.00 gekommen seien. Damit habe sich für die Familie die Frage gestellt, ob sie das Lager für die Kinder inklusive zusätzlicher Anschaffungen oder die Krankenkassenprämien bezahlen können. Mit diesem Beispiel machte Domenico Sposato deutlich, in welchem Stress armutsbetroffene Personen täglich lebten und welchen Ausgrenzungen sie aufgrund von fehlenden materiellen Ressourcen ausgesetzt seien.

pdf Armut bewältigen Ueli Mäder (658 KB)

pdf Armutsbeobachtung Oliver Hümbelin (779 KB)

pdf Heilsarmee Thomas Baumgartner (241 KB)

pdf Caritas Domenico Sposato (444 KB)

Neue Kurse und Weiterbildungen

Der VSO-BL bietet seinen Mitgliedern auch 2022 wiederum ein interessantes Angebot, an zielgerichteten Fortbildungen und Tagungen an

Die Anlässe mit Daten, Zeiten und Durchführungsorten finden Sie in untenstehender Tabelle. Die Detailinformationen inkl. Anmeldemöglichkeiten folgen.

Für unsere beiden Foren haben wir mit dem Filmsaal der Kaserne Liestal einen neuen Durchführungsort gefunden. Da dies militärisches Gelände ist, müssen sich die Teilnehmenden vorgängig anmelden. Es ist das gleiche Anmeldeverfahren über diese Website wie bei den Weiterbildungsmodulen. Die Foren bleiben kostenlos.

Die anderen Module finden jeweils von 18.00 - ca. 21.00 Uhr statt.

Wichtig!

Für Anmeldungen zu unseren Anlässen und Kursen muss in Ihrem Browser Java-Script erlaubt sein. Ist dies nicht der Fall, können zwar alle Daten eingegeben werden, aber der Anmeldeprozess wird ohne Rückmeldung abgebrochen. Es erfolgt in diesen Fällen keine Anmeldung in unserem System und Sie erhalten auch keine Anmeldebestätigung. Stellen Sie in diesem Fall sicher, dass Java-Script im Browser vorübergehend erlaubt ist. Beachten Sie, dass Java-Script auch durch Browser Plugins blockiert werden kann.

Kursprogramm 2022

(allfällige Änderungen werden Ihnen rechtzeitig mitgeteilt)
 

Sozialhilfeforum 2

Ist Justitia wirklich blind?
Sozialhilfefälle juristisch und ethisch "gerecht" beurteilen

Mittwoch, 26. Oktober 2022, 19.30 Uhr

Kaserne Liestal, Kasernenstr. 13, 4410 Liestal

Detailinformationen und
Anmeldemöglichkeit hier
 

Weiterbildungsmodul

Invalidenversicherung

Dienstag, 1. November 2022, 18.00 - 21.00 Uhr

Sozialversicherungsanstalt, Hauptstr. 109, 4102 Binningen

Detailinformationen und
Anmeldemöglichkeit hier
 

Weiterbildungsmodul

Asyl

Donnerstag, 17. November 2022, 18.00 - 21.00 Uhr

Coop Tagungszentrum Muttenz

Detailinformationen und
Anmeldemöglichkeit hier