Sozialhilfeforum 1

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Förderung mangelnder Grundkompetenzen in der Sozialhilfe

Ca. 50 interessierte Personen durfte der VSO zum Thema „Mangelnde
Grundkompetenzen in der Sozialhilfe“ begrüssen. Zu Beginn informierte Sarah
Zuber Diallo (Fachstelle Erwachsenenbildung BL) über den kantonalen Auftrag der
Grundkompetenzförderung nach WeBiG (Weiterbildungsgesetz) und deren Umsetzung. Die Grundkompetenzen Erwachsener sind Lesen, Schreiben, mündliche
Ausdrucksfähigkeit in einer Landessprache, Grundkenntnisse der Mathematik,
sowie die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien. Das Angebot möchte Erwachsene ansprechen, welche eine der vier Landessprachen als
Muttersprache haben oder über eine gute mündliche Ausdrucksfähigkeit in einer
der Amtssprachen (mind. GER B1) verfügen. Ebenso Personen, die nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen an Aus- und Weiterbildungsprogammen erfolgreich
teilnehmen können und dadurch gefährdet sind, ihre Arbeitsmarktfähigkeit
aufgrund unzureichender Grundkompetenzen zu verlieren.

Im Anschluss informierte Petra Dietle, Leiterin Weiterbildung Quartärbereich der Fachstelle Erwachsenenbildung Baselland FEBL über die Ziele von Bund und Kantonen nach WeBiG Art. 4. sowie die Strategie und Umsetzung in den einzelnen Spezialgesetzten des Kantons Baselland.

In einem Ausschnitt aus dem Film „Boggsen“, erzählt eine Person sehr anschaulich, wie die zunehmenden Fähigkeiten zu lesen und zu schreiben ihr Selbstbewusstsein und die Teilnahme am sozialen Leben gestärkt haben. Frau Petra Dietle führte ein Interview mit Adrian Portmann und Barbara Gadient (beide Volkshochschule beider Basel) durch. Dabei wird deutlich, dass es oft sehr schwierig ist, an die betroffenen Personen heranzukommen, weil das Fehlen der Grundkomptenzen ein Tabu-Thema ist. Die Scham ist sehr gross. Zudem ist das erneute Erlernen von Grundkompetenzen für die betroffenen Personen ein langer Weg. Oft müssen die Kurse zwei- oder sogar mehrfach wiederholt werden, bis ein Erfolg eintritt.

Nach der Pause konnten sich die Teilnehmenden an vier Tischen über die Angebote „Beratungsangebot und Lernzentrum“ sowie „Grundkurs Rechtschreibung und Leseverstehen“ der Volkshochschule beider Basel, „Computer-Kur(z)s und knackig“ der Gewerblich-industriellen Berufsschule Muttenz (GIBM) sowie „Wo stehe ich? Wo will ich hin? Der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung BL (BIZ) informieren.

Mariangela Pretto vom Verein Lesen und Schreiben deutsche Schweiz veranschaulichte nochmals eindrücklich, dass Lesen und Schreiben sehr komplexe Fähigkeiten sind, in deren Lernprozess über die Jahre diverse Hindernisse auftreten können. Zudem wurden die Anforderungen und Erwartungen in den letzten Jahren zunehmend höher. Die Lese- und Schreibfähigkeit ist heute in jedem Beruf unabdingbar. Sie berichtet über die Folgen für die Betroffenen, den Weg hinaus, sowie über das Unterstützungsangebot für Sozialhilfebehörden und Sozialdienste. Ab August werden weitere Informationen folgen, die an die Behörden und Sozialdienste verteilt werden.

Die Präsentation mit ergänzenden Bildern der einzelnen "Marktstände" finden Sie hier