Sissachertagung

Frauen im Fokus der Sozialhilfe

Ausbildung, Heirat, Kinder, Trennung – und dann?

Dies war der Titel der diesjährigen Sissachertagung des VSO (Verband Sozialhilfe Basel-Landschaft) am letzten Samstag. Mit Dr. phil. Regula Stämpfli konnte eine sehr profilierte und versierte Eingangsreferentin zum Thema Zeitgeschichte gewonnen werden, welche sehr eindrücklich über die vergessene Geschichte der Frau im Laufe der Jahrhunderte berichtete. Die Geschichte wurde von Menschen geschrieben, die der herrschenden Klasse angehörten, dazu gehörten die Frauen nicht. Sie wurden vorwiegend «beschrieben», was bedeutete, dass sie viel zu oft Empfängerinnen politischer Verhältnisse, die sie knechteten, waren, und den entsprechenden Alltag leben mussten. Sie waren es, die für das Essen sorgten, die Kinder betreuten, die Alten pflegten, etc. Diese sogenannte Care-Arbeit wird bis heute weniger wertgeschätzt als die Arbeit mit Zahlen, Maschinen, Algorithmen und Geld. Diese niedrige Wertschätzung schlägt sich in weniger Lohn, mehr Arbeitsstunden, weniger Sichtbarkeit und damit weniger Gehör - und gehört werden, niedrigeren Renten etc. nieder. Dr. Regula Stämpfli plädiert dafür, dass Frauen ihre finanzielle Unabhängigkeit unter allen Umständen behalten und sich für mehr Sichtbarkeit und Gehör ihrer Anliegen einsetzen.

Im Anschluss berichteten fünf Frauen aus fünf politischen Parteien ihre Gedanken und Lösungsansätze zu der Frage, wie sich Sozialhilfeabhängigkeit von Frauen verhindern, verringen oder vermeiden lässt. Welche politischen und/oder gesellschaftlichen Veränderungen sind dazu notwendig und wie sollen sie erreicht werden? Welche Massnahmen sind zielführend und in welchem Zeitraum lassen sie sich umsetzen?

Als erste berichtete Michèle Eggenschwiler, Vorstand JFDP, dass eine Ausbildung ein zentraler Schlüssel für ein genügendes Einkommen ist. Dafür müssen Migrantinnen erst die Sprache lernen, die Betreuungsarbeit für die Kinder muss zwischen Mann und Frau aufgeteilt werden und der Rechtsanspruch auf Fremdbetreuung der Kinder muss im Gesetz verankert werden. Staatliche Unterstützung ist für bestimmte Haushalte sicher notwendig, aber es sollte Hilfe zur Selbsthilfe sein.

Daraufhin berichtete Barbara Fankhauser, Einwohnerrätein und Fraktionspräsidentin SVP Binningen aus ihrem eigenen Leben als alleinerziehende Mutter und den Schlüsselerlebnissen, die sie in ihrer Kindheit hatte. Daraus folgerte für sie, dass Frauen ihre eigene Rolle definieren und leben, dabei unabhängig bleiben, als Individuum Selbstverantwortung über- und die Herausforderungen annehmen sollten. Politisch heisst das, es muss individuelle AHV- und Pensionskassenrenten sowie Besteuerung geben. Grundsätzlich gilt für Barbara Fankhauser weniger Staat – mehr Eigenverantwortung. Das bedeutet, Unterstützungsangebote sicherstellen, aber Anreize minimieren.

Im Anschluss berichtete Katja Schwab, SP Baselland über die aktuelle Ungleichstellung der Frauen in Bezug auf die Löhne sowie die dadurch entstehenden geschlechtsspezifische Altersvorsorgelücke. Zudem machte sie darauf aufmerksam, dass Armut immer noch vorwiegend weiblich ist. Frauen arbeiten oft Teilzeit, im Niedriglohnsegment, leisten mehr Care-Arbeit und sind häufiger alleinerziehend als Männer. Dies führt zu weniger finanziellen Ressourcen und Mehrbelastungen. Die Sozialhilfe für den Einzelnen sollte auf keinen Fall verringert, aber einen Ausgleich zwischen den Gemeinden geschaffen werden. Mehr Wertschätzung für unbezahlte (Care-)Arbeit sowie eine bessere familienergänzende Betreuung, damit Frauen wieder in die Arbeitswelt integriert werden können, seien dringend notwendig.

Christina Bachmann-Roth, CVP – die Mitte, Einwohnerrätin Lenzburg, Mutter von vier Kindern und Unternehmerin, welche sich die Lohnarbeit sowie die Betreuungsarbeit mit ihrem Mann teilt, plädierte ebenfalls für finanzielle Unabhängigkeit der Frauen sowie die Einführung von Tagesschulen. Dies würde eine gute Kinderbetreuung gewährleisten und den Alltagsstress sowohl für die Kinder als auch für die Eltern verringern. Zudem legte sie den Zuhörer*innen sehr ans Herz, dass der gesellschaftliche Kit wieder stärker wird. Es muss ein neuer Generationenvertrag geschlossen werden, die Reform der Altersvorsorge ist dringend.

Erika Eichenberger, Vizepräsidentin Grüne BL legte den Fokus auf die Kinder und Jugendlichen. Ein Drittel der Sozialhilfebeziehenden sind Kinder und Jugendliche. Sie stammen oft aus prekären familiären Verhältnissen und haben dadurch schlechtere Startbedingungen, innerfamiliär wie auch gesellschaftlich. Diese Kinder und Jugendliche müssen begleitet und ermutigt werden. Sie müssen Perspektiven und Selbstvertrauen entwickeln können und Erfolge erleben. Dies ist den Eltern nicht möglich, wenn sie gleichzeitig existenzielle Sorgen haben. Deshalb gilt für Erika Eichenberger, dass der Grundbedarf der Sozialhilfe nicht gekürzt werden darf, dass es bezahlbaren Wohnraum geben muss, Kinderbetreuung sowie Förderungsangebote wie Sprachkurse, Spielgruppen, Vereine, Weiterbildungsmöglichkeiten bezahlbar sein müssen.

Im anschliessenden Podium diskutierten sämtliche Referentinnen unter der Leitung von Cornelia Kazis, Journalistin und Moderatorin, und dem Einbezug des Publikums über die einzelnen Möglichkeiten der Vermeidung, Verringerung und Verhinderung von Sozialhilfeabhängigkeit der Frauen und die Schwierigkeiten, diese umzusetzen. Besonders deutlich wurde dies auf die Frage von Cornelia Kazis an alle Podiumsteilnehmerinnen, wo die Umsetzung ihrer Vorschläge in einem Jahr stehen würden.

Neue Kurse und Weiterbildungen

 

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Corona-Informationen

Wir werden sämtliche Anlässe und Weiterbildungsveranstaltungen «mit Zertifikat» durchführen. Das bedeutet, dass alle angemeldeten Personen ein Zertifikat über «geimpft», «genesen» oder «getestet» zu den Veranstaltungen (inkl. Forum 2) mitbringen müssen. Das Zertifikat wird zusammen mit dem Ausweis beim Einlass geprüft. Es ist uns ein sehr grosses Anliegen, als durchführender Verband dieser Anlässe und Weiterbildungen, unsere Verantwortung gegenüber den Teilnehmenden wahrzunehmen und dafür besorgt zu sein, dass der Gesundheitsschutz sämtlicher teilnehmenden Personen gewährleistet werden kann.

Diese Regel gilt vorerst bis Ende 2021 und unter der Voraussetzung, dass der Bundesrat und/oder die Kantonsregierung nicht andere Massnahmen beschliessen.

 

Der VSO-BL bietet seinen Mitgliedern auch 2021 wiederum ein interessantes Angebot, an zielgerichteten Fortbildungen und Tagungen an.

Die Anlässe mit Daten, Zeiten und Durchführungsorten inkl. den Anmeldemöglichkeiten finden Sie in untenstehender Tabelle. 

Bitte beachten Sie, dass die beiden Module Basiswissen Sozialhilfe in das Modul Grundwissen Sozialhilfe zusammengefügt wurden. Dieses neue Modul findet am Samstag, 6. November 2021 von 9.00 - ca. 17.00 Uhr statt. Im Preis inbegriffen sind die Pausenverpflegungen am Vormittag und Nachmittag sowie das Mittagesssen.

Die anderen Module finden neu jeweils von 18.00 - ca. 21.00 Uhr statt.

Kursprogramm 2021

(allfällige Änderungen werden Ihnen rechtzeitig mitgeteilt)

Weiterbildungsmodul

Invalidenversicherung

Donnerstag, 28. Oktober 2021, 18.00 - 21.00 Uhr

Coop Tagungszentrum Muttenz

Detailinformationen und
Anmeldemöglichkeit finden Sie hier
 

Sozialhilfeforum 2

Bildungslandschaft im Kanton Basel-Landschaft - Chancen für junge Sozialhilfebeziehende

Donnerstag, 4. November 2021, 19.30 Uhr

Reformierte Kirchgemeinde Pratteln-Augst, Pratteln

Detailinformationen finden Sie hier
Eine Anmeldung ist nicht notwendig
 
 

Weiterbildungsmodul

Grundwissen Sozialhilfe (Kantonales Sozialamt)

Samstag, 6. November 2021, 09.00 - 17.00 Uhr

Coop Tagungszentrum Muttenz

Detailinformationen und
Anmeldemöglichkeit finden Sie hier
 

Weiterbildungsmodul

KESB

 

Mittwoch, 17. November 2021, 18.00 - 21.00 Uhr

Coop Tagungszentrum Muttenz

Detailinformationen und
Anmeldemöglichkeit finden Sie hier
 

Weiterbildungsmodul

Subsidiarität in der Sozialhilfe

 

Donnerstag, 25. November 2021, 18.00 - 21.00 Uhr

Coop Tagungszentrum Muttenz

Detailinformationen und
Anmeldemöglichkeit finden Sie hier