Forum 2

Bildungslandschaft im Kanton Basel-Landschaft - Chancen für junge Soziahilfebeziehende

Thomas Von Felten, Leiter Abteilung Laufbahn und Integration informierte die Anwesenden über die Hauptabteilung Berufsbildung – Abteilung Laufbahn und Integration, die Berufs- Studien- und Laufbahnberatung, die Koordinationsstelle Brückenangebote sowie die Abteilung Mentoring. In sehr anschaulichen und kurzweiligen Worten berichtete er über die Angebote der einzelnen Abteilungen und die Zielgruppen. Dabei wurde deutlich, dass der Kanton nicht nur Unterstützungsangebote für Jugendliche und junge Erwachsene anbietet, sondern auch für alle bereits etwas älteren Personen, für welche eine Neuorientierung und/oder Weiterbildung ein Thema ist. In den beiden BIZ-Standorten Liestal und Bottmingen erhält man neben einer persönlichen Beratung auch unkompliziert telefonische Auskünfte, unabhängig davon, wie alt man ist. Brückenangebote sind Förderangebote und speziell für junge Menschen. Bewerben kann man sich bei den Brückenangeboten, bis man 20 Jahre alt ist. Ein ungenügendes Zeugnis ist kein Aufnahmehinderungsgrund mehr. Für Jugendliche und junge Erwachsene, welche keine Sekundarschule in der Schweiz absolviert haben, ist für die Deutschkenntnisse ein A2-Zertifkat notwendig. Es gibt keine Platzbeschränkungen, bei vielen Anmeldungen wird das Angebot erweitert, bei weniger Anmeldungen reduziert.

Nach der Pause berichtete Katja Hässle, Coaching & Case Management, Zentrum Berufsintegration, sehr lebendig und mit eindrücklichen Praxisbeispielen von den Angeboten der Berufsintegration in Birsfelden, früher bekannt als «wie weiter». Die Angebote sind kostenlos und stehen allen jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, welche im Kanton Basel-Landschaft wohnen und noch keinen EBA- oder EFZ-Abschluss haben, offen. Dabei erhalten auch Jugendliche/junge Erwachsene mit einem Lehrvertrag Unterstützung. Junge Menschen mit IV-Auflagen werden ebenfalls aufgenommen. Die Angebote sind freiwillig, anmelden kann jeder einen jungen Menschen, die freiwillige Mitarbeit des Jugendlichen/jungen Erwachsenen ist dann aber erforderlich. Dies ist dann vielfach die Schwierigkeit, da die Teilnehmenden häufig psychisch so belastet sind, dass eine Berufsausbildung nicht möglich ist. Oft braucht es sehr viel Zeit, Katja Hässle redet von zwei – drei Jahren, bis ein junger Mensch seinen «Rucksack» soweit aufgeräumt hat, dass darin Platz für die Zukunft und eine Berufsausbildung geschaffen werden kann.

Hier die versprochenen Zusatzinformationen von Thomas Von Felten:

Lehrvertragsauflösungen

Die Ausgabe 2021des Bericht des Bundesamtes für Statistik betreffend «Lehrvertragsauflösung, Wiedereinstieg, Zertifikationsstatus - Resultate zur dualen beruflichen Grundbildung (EBA und EFZ)» ist erschienen. 21% der Jugendlichen sind von Lehrvertragsauflösungen betroffen.

Im Sommer 2015 haben knapp 54 400 Personen eine berufliche

Grundbildung in einem Lehrbetrieb begonnen. Der Ausbildungsverlauf wurde bis Ende 2020 weiterverfolgt. 90% von ihnen haben ihre Ausbildung Ende 2020 erfolgreich abgeschlossen. Die Mehrheit (77%) erreichte dies auf dem üblichen Weg und ohne Lehrvertragsauflösung.

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Merkblatt Ausbildungsbeiträge für Sozialhilfebezüger/innen

Im Kanton Basel-Landschaft besteht kein solches Merkblatt. Sozialhilfebehörden, Sozialdienste und  kommunal mandatierten Privatorganisationen können in konkreten Fällen direkt mit der Abteilung Ausbildungsbeiträge Kontakt aufnehmen: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Die Erstellung eines solchen Merkblattes wird vom Kantonalen Sozialamt und der Abteilung Ausbildungsbeiträge begrüsst und mit einem zeitlichen Vorbehalt auch angegangen. Die am 4.11.2021 vom Landrat verabschiedete Teilrevision des Sozialhilfegesetzes, mit der auch die Ausbildungsmöglichkeiten für Sozialhilfebeziehende gestärkt werden soll, wird aufgrund des nicht erreichten Quorums im Landrat vor das Volk kommen. Es macht nun Sinn, die Abstimmung abzuwarten. Dann wird die Erstellung eines solchen Merkblatts voraussichtlich Hand in Hand mit der Überarbeitung des Handbuchs zum SHG einhergehen.

Sissachertagung

Frauen im Fokus der Sozialhilfe

Ausbildung, Heirat, Kinder, Trennung – und dann?

Dies war der Titel der diesjährigen Sissachertagung des VSO (Verband Sozialhilfe Basel-Landschaft) am letzten Samstag. Mit Dr. phil. Regula Stämpfli konnte eine sehr profilierte und versierte Eingangsreferentin zum Thema Zeitgeschichte gewonnen werden, welche sehr eindrücklich über die vergessene Geschichte der Frau im Laufe der Jahrhunderte berichtete. Die Geschichte wurde von Menschen geschrieben, die der herrschenden Klasse angehörten, dazu gehörten die Frauen nicht. Sie wurden vorwiegend «beschrieben», was bedeutete, dass sie viel zu oft Empfängerinnen politischer Verhältnisse, die sie knechteten, waren, und den entsprechenden Alltag leben mussten. Sie waren es, die für das Essen sorgten, die Kinder betreuten, die Alten pflegten, etc. Diese sogenannte Care-Arbeit wird bis heute weniger wertgeschätzt als die Arbeit mit Zahlen, Maschinen, Algorithmen und Geld. Diese niedrige Wertschätzung schlägt sich in weniger Lohn, mehr Arbeitsstunden, weniger Sichtbarkeit und damit weniger Gehör - und gehört werden, niedrigeren Renten etc. nieder. Dr. Regula Stämpfli plädiert dafür, dass Frauen ihre finanzielle Unabhängigkeit unter allen Umständen behalten und sich für mehr Sichtbarkeit und Gehör ihrer Anliegen einsetzen.

Im Anschluss berichteten fünf Frauen aus fünf politischen Parteien ihre Gedanken und Lösungsansätze zu der Frage, wie sich Sozialhilfeabhängigkeit von Frauen verhindern, verringen oder vermeiden lässt. Welche politischen und/oder gesellschaftlichen Veränderungen sind dazu notwendig und wie sollen sie erreicht werden? Welche Massnahmen sind zielführend und in welchem Zeitraum lassen sie sich umsetzen?

Als erste berichtete Michèle Eggenschwiler, Vorstand JFDP, dass eine Ausbildung ein zentraler Schlüssel für ein genügendes Einkommen ist. Dafür müssen Migrantinnen erst die Sprache lernen, die Betreuungsarbeit für die Kinder muss zwischen Mann und Frau aufgeteilt werden und der Rechtsanspruch auf Fremdbetreuung der Kinder muss im Gesetz verankert werden. Staatliche Unterstützung ist für bestimmte Haushalte sicher notwendig, aber es sollte Hilfe zur Selbsthilfe sein.

Daraufhin berichtete Barbara Fankhauser, Einwohnerrätein und Fraktionspräsidentin SVP Binningen aus ihrem eigenen Leben als alleinerziehende Mutter und den Schlüsselerlebnissen, die sie in ihrer Kindheit hatte. Daraus folgerte für sie, dass Frauen ihre eigene Rolle definieren und leben, dabei unabhängig bleiben, als Individuum Selbstverantwortung über- und die Herausforderungen annehmen sollten. Politisch heisst das, es muss individuelle AHV- und Pensionskassenrenten sowie Besteuerung geben. Grundsätzlich gilt für Barbara Fankhauser weniger Staat – mehr Eigenverantwortung. Das bedeutet, Unterstützungsangebote sicherstellen, aber Anreize minimieren.

Im Anschluss berichtete Katja Schwab, SP Baselland über die aktuelle Ungleichstellung der Frauen in Bezug auf die Löhne sowie die dadurch entstehenden geschlechtsspezifische Altersvorsorgelücke. Zudem machte sie darauf aufmerksam, dass Armut immer noch vorwiegend weiblich ist. Frauen arbeiten oft Teilzeit, im Niedriglohnsegment, leisten mehr Care-Arbeit und sind häufiger alleinerziehend als Männer. Dies führt zu weniger finanziellen Ressourcen und Mehrbelastungen. Die Sozialhilfe für den Einzelnen sollte auf keinen Fall verringert, aber einen Ausgleich zwischen den Gemeinden geschaffen werden. Mehr Wertschätzung für unbezahlte (Care-)Arbeit sowie eine bessere familienergänzende Betreuung, damit Frauen wieder in die Arbeitswelt integriert werden können, seien dringend notwendig.

Christina Bachmann-Roth, CVP – die Mitte, Einwohnerrätin Lenzburg, Mutter von vier Kindern und Unternehmerin, welche sich die Lohnarbeit sowie die Betreuungsarbeit mit ihrem Mann teilt, plädierte ebenfalls für finanzielle Unabhängigkeit der Frauen sowie die Einführung von Tagesschulen. Dies würde eine gute Kinderbetreuung gewährleisten und den Alltagsstress sowohl für die Kinder als auch für die Eltern verringern. Zudem legte sie den Zuhörer*innen sehr ans Herz, dass der gesellschaftliche Kit wieder stärker wird. Es muss ein neuer Generationenvertrag geschlossen werden, die Reform der Altersvorsorge ist dringend.

Erika Eichenberger, Vizepräsidentin Grüne BL legte den Fokus auf die Kinder und Jugendlichen. Ein Drittel der Sozialhilfebeziehenden sind Kinder und Jugendliche. Sie stammen oft aus prekären familiären Verhältnissen und haben dadurch schlechtere Startbedingungen, innerfamiliär wie auch gesellschaftlich. Diese Kinder und Jugendliche müssen begleitet und ermutigt werden. Sie müssen Perspektiven und Selbstvertrauen entwickeln können und Erfolge erleben. Dies ist den Eltern nicht möglich, wenn sie gleichzeitig existenzielle Sorgen haben. Deshalb gilt für Erika Eichenberger, dass der Grundbedarf der Sozialhilfe nicht gekürzt werden darf, dass es bezahlbaren Wohnraum geben muss, Kinderbetreuung sowie Förderungsangebote wie Sprachkurse, Spielgruppen, Vereine, Weiterbildungsmöglichkeiten bezahlbar sein müssen.

Im anschliessenden Podium diskutierten sämtliche Referentinnen unter der Leitung von Cornelia Kazis, Journalistin und Moderatorin, und dem Einbezug des Publikums über die einzelnen Möglichkeiten der Vermeidung, Verringerung und Verhinderung von Sozialhilfeabhängigkeit der Frauen und die Schwierigkeiten, diese umzusetzen. Besonders deutlich wurde dies auf die Frage von Cornelia Kazis an alle Podiumsteilnehmerinnen, wo die Umsetzung ihrer Vorschläge in einem Jahr stehen würden.

Neue Kurse und Weiterbildungen

 

BITTE BEACHTEN - BITTE BEACHTEN - BITTE BEACHTEN - BITTE BEACHTEN - BITTE BEACHTEN - BITTE BEACHTEN

Corona-Informationen

Wir werden sämtliche Anlässe und Weiterbildungsveranstaltungen «mit Zertifikat» durchführen. Das bedeutet, dass alle angemeldeten Personen ein Zertifikat über «geimpft», «genesen» oder «getestet» zu den Veranstaltungen (inkl. Forum 2) mitbringen müssen. Das Zertifikat wird zusammen mit dem Ausweis beim Einlass geprüft. Es ist uns ein sehr grosses Anliegen, als durchführender Verband dieser Anlässe und Weiterbildungen, unsere Verantwortung gegenüber den Teilnehmenden wahrzunehmen und dafür besorgt zu sein, dass der Gesundheitsschutz sämtlicher teilnehmenden Personen gewährleistet werden kann.

Diese Regel gilt vorerst bis Ende 2021 und unter der Voraussetzung, dass der Bundesrat und/oder die Kantonsregierung nicht andere Massnahmen beschliessen.

 

Der VSO-BL bietet seinen Mitgliedern auch 2021 wiederum ein interessantes Angebot, an zielgerichteten Fortbildungen und Tagungen an.

Die Anlässe mit Daten, Zeiten und Durchführungsorten inkl. den Anmeldemöglichkeiten finden Sie in untenstehender Tabelle. 

Bitte beachten Sie, dass die beiden Module Basiswissen Sozialhilfe in das Modul Grundwissen Sozialhilfe zusammengefügt wurden. Dieses neue Modul findet am Samstag, 6. November 2021 von 9.00 - ca. 17.00 Uhr statt. Im Preis inbegriffen sind die Pausenverpflegungen am Vormittag und Nachmittag sowie das Mittagesssen.

Die anderen Module finden neu jeweils von 18.00 - ca. 21.00 Uhr statt.

Kursprogramm 2021

(allfällige Änderungen werden Ihnen rechtzeitig mitgeteilt)
     
     
 

Weiterbildungsmodul

Grundwissen Sozialhilfe (Kantonales Sozialamt)

Samstag, 6. November 2021, 09.00 - 17.00 Uhr

Coop Tagungszentrum Muttenz

Detailinformationen und
Anmeldemöglichkeit finden Sie hier
 

Weiterbildungsmodul

KESB

Mittwoch, 17. November 2021, 18.00 - 21.00 Uhr

Coop Tagungszentrum Muttenz

Detailinformationen und
Anmeldemöglichkeit finden Sie hier
 

Weiterbildungsmodul

Subsidiarität in der Sozialhilfe

Donnerstag, 25. November 2021, 18.00 - 21.00 Uhr

Coop Tagungszentrum Muttenz

Detailinformationen und
Anmeldemöglichkeit finden Sie hier